Destinationen als Erlebnisorte nachhaltiger Mobilität

Lebensraumgestaltung im Tourismus
Lebensraumgestaltung im Tourismus

Neulich sagte einer unserer AuftraggeberInnen: "Wir wollten Mobilität, bekommen haben wir Verkehr!" Das hat uns sehr nachdenklich über unsere Arbeit im Destinationsmanagement gemacht. Denn im Reisen liegt ein Widerspruch: Menschen erwarten in Urlaubsregionen saubere Luft, wenig bis gar keine Lärmbelastung, ausreichend öffentlichen Raum zum Draußen-sein – bringen jedoch selbst über ihre eigene Mobilität Abgase und Lärm in die Urlaubsregion. Dabei verursachen sie auch vor Ort Staus sowie Platzmangel im öffentlichen Raum und mindern damit die Lebensqualität von sich und den Einheimischen. 

Innovative Mobilitätskonzepte bieten die Möglichkeit, diesen Widerspruch aufzulösen, weil sie einerseits mobile Angebote bereitstellen, aber auch dem Wunsch entsprechen, vor Ort etwas Neues zu erleben. E-Fahrzeuge mit zwei, drei und vier Rädern liegen im Trend, das Interesse daran ist groß, das Ausprobieren in einer entspannten Urlaubssituation für viele attraktiv.


Öffentliche Räume für Mobilität in Städten schaffen – geht das?

Fakt ist: Das Auto ist (noch) das wichtigste Verkehrsmittel auf Reisen. Der Tourismus hat sich deshalb bisher viel zu wenig damit beschäftigt, wie Mobilität vor Ort ohne eigenen PKW aussehen kann. Denn: Eigene PKWs werden mittelfristig ihren Status verlieren. Städte wandeln sich schon jetzt und wandeln ihre Straßen und Parkplätze für Autos in öffentliche Räume um. Warum das so ist? Der Raum wird knapp und damit teuer. Nicht jeder kann sich zukünftig einen Parkplatz leisten und möchte sein Auto ungenutzt und kostspielig "herumstehen" sehen.

Paris und Madrid machen es uns vor, Kopenhagen ist seit Jahren Vorreiter: Auf einmal herrscht wieder Leben auf der Straße und das Café bietet seinen Gästen nicht nur auf dem Fußweg, sondern auch auf umgenutzten versiegelten Plätzen Sitzgelegenheiten an. Klar ist: Durch diese Veränderungen erhöht sich gleichzeitig die Lebensraumqualität in den Innenstädten und EinwohnerInnen von Metropolen sind es gewohnt, Sharing- und Verleihangebote zu nutzen. 

Raum für weiter Mobilitätsmöglichkeiten schaffen. Foto: Kumpan Electric/Unsplash
Raum für weiter Mobilitätsmöglichkeiten schaffen. Foto: Kumpan Electric/Unsplash

Warum sind innovative Mobilitätsangebote interessant für eine Destination?

Bei den E-Ladeparkplätzen dürfen die Fahrräder nicht vergessen werden.
Bei den E-Ladeparkplätzen dürfen die Fahrräder nicht vergessen werden.

Kommunen und Regionen müssen CO2 reduzieren, um die weltweit gesetzten Klimaziele zu erreichen. In diesem Zusammenhang muss Mobilität auch im Tourismus neu gedacht werden. Je beliebter eine Destination ist, desto dringlicher ist diese Aufgabe.
Ein Konzept "zukunftsfeste touristische Mobilität mit Erlebnischarakter" kann helfen, bisherige Mobilitätsmuster aufzubrechen. Wichtig ist, dass alle StakeholderInnen und bereits vorhandene Angebote vor Ort eingebunden werden. Damit  entsteht ein einzigartiges, regional stimmiges Urlaubserlebnis mit hohem Erlebniswert.

Aufgrund der höheren Auslastung durch den Tourismus sind gerade im ländlichen Raum Mobilitätsangebote möglich, die mit der lokalen Bevölkerung allein nur bedingt zu realisieren sind. Durch die Verschneidung von Alltags- und touristischer Mobilität erhalten alle Beteiligten einen Zugang zu nachhaltigen mobilen Angeboten, die eine Verkehrswende vor Ort - und für die Gäste später zu Hause im Kopf - möglich machen. 


Was bedeutet das für Destinationen und Urlaubsregionen?

Nicht rein digitale Lösungen für neue Mobilitätsangebote sind der Anfangspunkt, sondern das emotionale und physische Erleben. Mobilitätslösungen werden akzeptiert, sofern sie in ein Gesamtkonzept vor Ort eingebettet sind und für die spezifischen Bedürfnisse der NutzerInnen gedacht sind.

Destinationen sollten, nein: müssen jetzt aktiv werden und mit nachhaltigen Mobilitätskonzepten intermodale mobile Angebote schaffen. Und können gleichzeitig die entspannte Urlaubs-Atmosphäre nutzen um zu zeigen, dass nachhaltige Mobilität Spaß macht und als Erlebnis inszeniert werden kann. 

Destinationen als Erlebnisorte nachhaltiger Mobilität
Destinationen als Erlebnisorte nachhaltiger Mobilität. Grafik: Destination to market

Elektroladestationen bei Leistungsträgern - aber selbstverständlich!

Immer mehr Reisende suchen nach Hotels mit Ladestationen für Elektroautos.
Immer mehr Reisende suchen nach Hotels mit Ladestationen für Elektroautos. Foto: Deutsche Alpenstraße/Ralf Gerard.

Einer unserer ProjektpartnerInnen sprach es ganz deutlich aus: "Wo das Fahrzeug steht, da lädt es". Dies bedeutet aktuell, dass das Laden bevorzugt zu Hause über Nacht erfolgt. Die Konklusion für Unterkunftsbetriebe und Gastronomie-Betriebe: Sie sind das "Zu Hause auf Zeit" für Ihre Gäste! Ergo: Dort muss geladen werden können - daran gibt es nichts zu rütteln. Aktuell sieht es jedoch so aus: NutzerInnen von Elektrofahrzeugen fragen bei Hotels und Gaststätten nach dem Angebot von Ladestationen. Wenn es dort keine Lademöglichkeit für Elektroautos gibt, dann bedeutet das: Der Gast sucht sich einen Betrieb, wo geladen werden kann. Und diejenigen, die diese Infrastruktur nicht bieten, werden die großen VerliererInnen im Tourismus sein. 

Unsere Konklusion: Zukünftig muss das Angebot zum  Laden von Elektrofahrzeugen ein so selbst-verständlicher Service wie WLAN oder Wellness sein. 


Emobile Erlebnisse in der Destination inszenieren

Konkret bedeutet das: Machen Sie Ihren Gästen ein belohnendes Angebot für eine nachhaltige An- und Abreise. Sorgen Sie dafür, dass die letzte Meile zwischen Bahnanreise und Unterkunft geschlossen wird und stellen Sie entsprechende Angebote für die Mikromobilität vor Ort zur Verfügung. Dies können Sharing-Angebote von Leichtfahrzeugen wie E-Bikes, E-Scooter oder E-Roller sein, aber auch ein eigener E-Fahrzeugpool, den Gäste nutzen können. Ja, das ist aufwändig. Aber die derzeitigen gesellschaftlichen Veränderungen erfordern zeitnahe Transformationsprozesse in den zukünftigen Aufgabenstellungen der Destinationen. Und damit sollte spätestens jetzt begonnen werden.

Authentische Erlebnisse mit nachhaltigen Mobilitätsangeboten schaffen.
Authentische Erlebnisse mit nachhaltigen Mobilitätsangeboten schaffen.

Nachhaltige Mobilität in Urlaubsregionen darf auch bequem sein

Intermodale Mobilitätskonzepte für den Tourismus
Intermodale Mobilitätskonzepte für den Tourismus. Foto: Fredrik Ohlander/Unsplash.

Eigentlich ganz einfach, doch häufig intern ein  umfangreicheres Vorhaben und dennoch lohnend: Mit einer Gästekarte haben Gäste häufig bereits den Vorteil, öffentliche Verkehrsmittel meist kostenlos zu nutzen. Hier können weitere Mobilitätsangebote, wie beispielsweise On-Demand Angebote, Sharing/ Verleih von E-Autos und E-Kleinfahrzeugen etc. eingebunden werden.

Allein das Testen eines Elektrofahrzeugs in einer Urlaubsregion kann zur Überlegung und am Schluss sogar zum Kauf eines E-Autos führen. Erfahrungswerte aus dem E-Bike Boom bestätigen dies. Diese Erkenntnisse sollten unbedingt aufgegriffen werden und komfortable, unkomplizierte Erlebnisse im Bereich nachhaltiger mobiler Angebote entwickelt werden!



Tourismuskonzepte von Menschen für Menschen - das ist unser Motto. Wir kennen die Bedürfnisse der Gäste und Nutzer und entwickeln darauf passende touristische Angebote. Sie haben Interesse an weiteren Informationen? Bitte kontaktieren Sie uns!

 

Dipl. Geogr. Tanja Brunnhuber

Inhaberin destination to market

www.destinationtomarket.de

Tourismusmarketing von Menschen für Menschen - destination to market
Tanja Brunnhuber, Inhaberin destination to market