Reisemotivation – was beeinflusst die Nachfrage im Tourismus?

Interessantes zum Thema Reisemotivation für interessierte Leser und Tourismusmarketing-Experten. Nachfolgendes bezieht sich neben eigenen Ausführungen auf die touristische Fachliteratur, insbesondere Freyer (2009) und Bieger (2004). Viel Vergnügen beim Lesen!



Es gibt zwei Ansätze, das Verhalten von Individuen und Gesellschaften zu erklären:

1. Das Verhalten des Individuums bestimmt das Verhalten der Gesellschaft

2. Das Verhalten der Gesellschaft bestimmt das Verhalten des Individuums

 

Das Nachfrageverhalten im Tourismus kann demnach ähnlich betrachtet werden: Bestimmt das Verhalten des Einzelnen die Nachfrage der Gesellschaft oder ist es die Gesellschaft, die das Nachfrageverhalten des Individuums beeinflusst?

 

Was motiviert Individuen und Gesellschaften zu ihrem Verhalten? Welche Werte sind dafür ausschlaggebend, wie entstehen sie und wie werden diese Werte vermittelt?

Und was geschieht, wenn sich Individuen innerhalb einer Gesellschaft anders verhalten als „erwartet“? Communities nahmen innerhalb von Gesellschaften schon immer eine tragende Rolle ein. Als Meinungsgeber und Beeinflusser dominieren sie heute auch virtuell die Entwicklung von Gesellschaft und Individuum und nehmen teilweise sogar den Stellenwert der Familie ein.


Wie sehr erwartet die Gesellschaft ein aktives Freizeitverhalten? Welche Werte und Normen werden von einer heutigen Gesellschaft akzeptiert? Was genau zum Beispiel steht hinter dem Aktionismus vieler Großstädter, jedes Wochenende hinaus ins Umland zu fahren und sich lieber dort aufzuhalten als in der Stadt? Der Mobilität bei der Jobsuche folgte schnell die Mobilität des Freizeitverhaltens. Doch was sind die Folgen dieser veränderten Nachfrage und Mobilität?

 

Ausschlaggebend für die Reisemotivation von Individuum und Gesellschaft sind bekanntermaßen „Push and Pull“-Faktoren. Weg von und hin zu. Wovon er fliehen möchte, ist dem Kunden schnell klar: Tägliche Herausforderungen an Arbeitsplatz oder im Privaten. Hin zu funktioniert so: „Irgendwo hin, wo es schön und warm ist“, sagt der Kunde. Schlägt der Reiseberater eine Destination vor, gewinnt häufig diejenige, die neben den Angeboten für „Abschalten, Ausspannen, Sonne, Wärme“ auch gewisse Eigenschaften wie Prestige, Image und Verlässlichkeit mit sich bringt. Heute hat die Reisebranche passende Angebote parat, die auf das nachgefragte Bedürfnis mit entsprechender Produktgestaltung, Werbung, Saisonzeiten und Kapazitäten abgestimmt sind.


Eine sich verändernde Umwelt fordert ein sich veränderndes Freizeitverhalten geradezu heraus: Weg von dem Lärm der Großstadt, von Schmutz und sozialem Stress hin zu Erholungsgebieten mit intakter Natur und freundlichem Miteinander. Die Wirkungen sind jedoch wechselseitig. Wie lange kann ein „Paradies auf dem Lande“ seine Anziehungskraft bewahren und authentisch bleiben?

 

Das Konsumverhalten der Menschheit hat sich verändert. Man leistet sich heute Produkte der oberen Ebenen der Bedürfnishierarchie, welche früher nur privilegierten Schichten zugänglich waren. Gesellschaftliche Anerkennung, Dazugehören, Selbstfindung und Selbstverwirklichung stehen an oberster Stelle heutiger Aktivitäten. Den Rest kann sich sowieso jeder leisten. Und jeder – wer ist das schon. Jedenfalls nicht „wir“ – sondern stets „die anderen“. Die eigene Zugehörigkeit zu einer bestimmten – oftmals gewünschten – Gruppe wird klar definiert.

 

Wir wissen, dass manche Bedürfnisse primär vorhanden sind und manche sekundär erworben wurden. Die Frage steht im Raum, ob Reisen ein Bedürfnis ist, und wenn ja: Ist Reisen ein Grundbedürfnis oder ein Instrument zur Befriedigung eines Luxusbedarfs? Ökonomische Entwicklungen sind der Grund für das Streben nach körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit. Das Ziel war und ist die Sicherung der Arbeitskraft. Dieses Sicherheitsbedürfnis wird durch Urlaub und Reisen gedeckt. Was genau sucht der Kunde von heute, um seinen Bedarf zu befriedigen: Sind es weiterhin Reiseangebote zur Sicherung der Arbeitsfähigkeit oder sollen sie heute zur Sicherung von individueller Selbstverwirklichung, Glück und Flow dienen? Es gilt zu hinterfragen, wie diese Bedürfnisse, die ja nach Maslow auf unterschiedenen Eben anzusiedeln sind, zusammenhängen. Denn nur unter Berücksichtigung von beiden entsteht ein erfolgreiches Tourismusprodukt.


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Tanja Brunnhuber

Geschäftsführerin

destination to market

TOURISMUSMARKETING & CONSULTING

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