Reisemotivation – was beeinflusst die Nachfrage im Tourismus?

Heute poste ich einen bearbeiteten Artikel aus dem Jahre 2014, der immer noch zu einem meiner stärksten Beiträge seit Anbeginn meiner Tätigkeit als Tourismusberaterin ist. Es geht um Reisemotivation und die Frage, was die Nachfrage im Tourismus beeinflusst. Damals war ich Dozentin an der Hochschule Kempten und habe mit Studierenden intensiv am Thema gearbeitet. Auch heute noch ist die Entwicklung von touristischen Angeboten, die genau auf die Bedürfnisse der gewünschten Zielgruppe passen, einer meiner Themenschwerpunkte. Gerade in Zeiten von Corona ist eine stimmige Produktentwicklung mit lenkender und wertschöpfender Funktion elementar. Nachfolgendes inkludiert neben eigenen Erfahrungen auch Auszüge der touristischen Fachliteratur, insbesondere Freyer (2009) und Bieger (2004). 

Wie geht es Euch heute mit dem Thema? Was hat Corona in der Motivation und am Reiseverhalten verändert? Ich freue mich über Eure Nachricht! Und jetzt wünsche ich viel Spaß beim Lesen!

Tourismusberatung von Menschen für Menschen - destination to market
Was beeinflusst das Reiseverhalten von Einzelnen und der Gesellschaft?

Es gibt zwei Ansätze, das Verhalten von Individuen und Gesellschaften zu erklären:

  1. Das Verhalten des Individuums bestimmt das Verhalten der Gesellschaft
  2. Das Verhalten der Gesellschaft bestimmt das Verhalten des Individuums

Das Nachfrageverhalten im Tourismus kann demnach ähnlich betrachtet werden: Bestimmt das Verhalten des Einzelnen die Nachfrage der Gesellschaft oder ist es die Gesellschaft, die das Nachfrageverhalten des Individuums beeinflusst? Was motiviert Individuen und Gesellschaften zu ihrem Verhalten? 


Welche Werte sind dafür ausschlaggebend, wie entstehen sie und wie werden diese Werte vermittelt? Und was geschieht, wenn sich Individuen innerhalb einer Gesellschaft anders verhalten als „erwartet“? Eines ist klar. Communities nahmen innerhalb von Gesellschaften schon immer eine tragende Rolle ein. Als Meinungsgeber dominieren sie heute die Entwicklung von Gesellschaft und Individuum und nehmen teilweise sogar den Stellenwert der Familie ein. Und dies passiert meist virtuell.

Wie sehr erwartet die Gesellschaft ein aktives Freizeitverhalten? Welche Werte und Normen werden von einer heutigen Gesellschaft akzeptiert? Was genau motiviert viele Großstädter, wochenends hinaus ins Umland zu fahren und sich lieber dort aufzuhalten als in der Stadt? Und was sind die Folgen dieser veränderten Nachfrage?

Ausschlaggebend für die Reisemotivation von Individuum und Gesellschaft sind bekanntermaßen „Push and Pull“-Faktoren. Weg von und hin zu. Wovon er fliehen möchte, ist dem Kunden schnell klar: Tägliche Herausforderungen an Arbeitsplatz oder im Privaten. Hin zu funktioniert so: „Irgendwo hin, wo es schön und warm ist“, sagt der Kunde. Schlägt der Reiseberater eine Destination vor, gewinnt häufig diejenige, die neben den Angeboten für „Abschalten, Ausspannen, Sonne, Wärme“ auch gewisse Eigenschaften wie Prestige, Image und Verlässlichkeit mit sich bringt. Heute hat die Reisebranche passende Angebote parat, die auf das nachgefragte Bedürfnis mit entsprechender Werbung, Produktgestaltung, Saisonzeiten und Kapazitäten abgestimmt sind.

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Naturtourismus benötigt Infrastruktur. Bild: Oskars Sylwan/Unsplash

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Gemeinsam und für sich. Corona fordert den Tourismus. Bild: Paul Tabot/Unsplash

Eine sich verändernde Umwelt wie beispielsweise aktuell in Zeiten von Corona fordert ein sich veränderndes Freizeitverhalten geradezu heraus: Weg von dem Lärm der Großstadt, von Schmutz und sozialem Stress und hin zu Erholungsgebieten mit intakter Natur und freundlichem Miteinander.

Doch wie lange kann ein „Paradies auf dem Lande“ seine Anziehungskraft bewahren und authentisch bleiben? Kann der ländliche Raum ausreichend Antworten geben auf das veränderte Konsumverhalten der Menschheit? Sind Overtourism oder sogar Massentourismus die Folge von gänzlich untouristischen Bedürfnissen wie gesellschaftliche Anerkennung, Zugehörigkeit, Selbstfindung und Selbstverwirklichung. Was müsste in diesem Kontext geschehen, um hier zukünftig Abhilfe zu schaffen?


Wir wissen, dass manche Bedürfnisse primär vorhanden sind und manche sekundär erworben wurden. Die Frage steht im Raum, ob Reisen ein Bedürfnis ist, und wenn ja: Ist Reisen ein Grundbedürfnis oder ein Instrument zur Befriedigung eines Luxusbedarfs? Ökonomische Entwicklungen sind der Grund für das Streben nach körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit. Das Ziel war und ist die Sicherung der Arbeitskraft. Dieses Sicherheitsbedürfnis wird durch Urlaub und Reisen gedeckt. Was genau sucht der Kunde von heute, um seinen Bedarf zu befriedigen: Sind es weiterhin Reiseangebote zur Sicherung der Arbeitsfähigkeit oder sollen sie heute zur Sicherung von individueller Selbstverwirklichung, Glück und Flow dienen? Es gilt zu hinterfragen, wie diese Bedürfnisse, die ja nach Maslow auf unterschiedenen Eben anzusiedeln sind, zusammenhängen. Denn nur unter Berücksichtigung von beiden entsteht ein erfolgreiches Tourismusprodukt.


Tourismuskonzepte von Menschen für Menschen - das ist unser Motto. Wir kennen die Bedürfnisse der Gäste und Nutzer und entwickeln darauf passende touristische Angebote. 

 

Sie haben Interesse an weiteren Informationen? Bitte kontaktieren Sie uns!

 

Tanja Brunnhuber

Geschäftsführerin

destination to market

www.destinationtomarket.de

Tourismusmarketing von Menschen für Menschen - destination to market
Tanja Brunnhuber, Geschäftsführerin

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